Gestolen handschrift publizierte De Crits in einer Ausgabe der Literaturzeitschrift De Brakke Hond mit dem Schwerpunkt "Prosagedichte" (95/2007). Heute liest es sich fast wie ein Kommentar zu Urheberrechtsdebatte und Open Source.
Das gestohlene
Manuskript
in einer berüchtigten kneipe wurde sein manuskript gestohlen
zwei diebe aus einem fernen land machten sich mit 52 prosagedichten davon er
holte vergnügt luft und seufzte kurz erleichtert weil seine arbeit für nichts
und diebe war jahrelang hatte er tausend gedichte für nichts geschrieben und
endlich hatte er zwei leser gefunden ein paar straßen weiter ließen sich die
leser nach diebstahl und flucht auf eine bank fallen und kramten in seiner
dichtertasche warfen die wertgegenstände weg und bewahrten die von ihm
vollgekritzelten hundert blatt papier sie begannen fieberhaft die buchstaben zu
entziffern und eine welt öffnete sich vor ihnen alle register der poetischen
prosa waren enthalten alle denkbaren und undenkbaren themen wurden behandelt
sie amüsierten sich köstlich und verschlangen seine verse in ihr weit
entferntes land geflüchtet baten sie einen leser-dieb alles zu übersetzen und
herauszubringen das buch: mort subite sudden death wurde ein enormer erfolg
später als er in dem fernen land am bahnhof ankam auf der
durchreise in ein nachbarland wurde er von einer horde mädchen erkannt sie
bettelten um ein autogramm für ihr exemplar er hatte aus versehen in das gestohlene
manuskript mit bleistift ein selbstporträt gezeichnet
Anmerkung zur Übersetzung: Da das Niederländische einen stärker isolierenden Sprachbau hat als das Deutsche und das Verb zudem manchmal weiter vorne im Satz steht, lassen sich die Sätze in der Übertragung nicht an allen Stellen so gut ineinanderschieben wie im Original (vgl. die letzten drei Zeilen des ersten Absatzes). Meiner Meinung nach tut das dem ganzen aber nur wenig Abbruch.
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