Montag, 16. April 2012

Aus dem Lyrik.Log: Frans Budé - Exit

Zwischen 2003 bis 2005 gab der Lyriker Ron Winkler auf der Seite des 'Online-Feuilletons' satt.org die wöchentliche Gedichtanthologie 'Lyrik.Log' heraus, die 99 Folgen lang jeden Sonntag ein Gedicht inklusive kurzer biographischer Skizze des Autors vorstellte. Obwohl sich Winkler vor allem der jüngeren deutschen Gegenwartslyrik  von Andreas Altmann bis Uljana Wolf widmete, fanden auch einige ausländische Autoren, vor allem aus Osteuropa, ihren Weg in die Sammlung. Nach etwa zwei Jahren wurde der 'Lyrik.Log' dann durch die lateinamerikanische Lyrik des 'Latin.Log' abgelöst, der von Timo Berger und Rick Bolte bis 2009 geführt wurde. Beide "Logs" laden bis heute zum Stöbern und Entdecken ein.

Als einzigen Niederländer - aber dafür immerhin bereits an dritter Stelle im Lyrik.Log - hat Ron Winkler Frans Budé mit "Exit" aufgenommen: 


Exit

Als wir unsichtbar waren
eines Nachts in Trauer und
an uns selber verloren –
die Tür mit Blutdunst beschlagen
der Tod ein Hausflur angefüllt
mit Duft und Hinterhalt
als Feuer und Wind gesammelt waren
rings um unseren abgeschweiften Schrei –
fielen wir in eins zusammen und erzielten
was hängen blieb. Die Schatten –
so eng schloß uns ein das Licht 


Exit
Toen ze ons niet zagen
die nacht bedroefd en
aan onszelf kwijt
de deur met bloed beslagen
de dood een gang vol
geur en hinderlagen toen
vuur en wind zich schaarden
om onze afgedwaalde roep
weken wij af van het bestaande
af van onze roep. Vielen
samen, raakten aan
wat hangen bleef. Schaduw –
zo nauw dreef ons het licht
 


Frans Budé 
geboren 1945, lebt in Maastricht (Niederlande). Von ihm erschienen bei Meulenhoff Amsterdam bisher acht Gedichtbände. Zu den jüngsten gehören Maaltijd (1994), In Remersdaal (1997), Alles gaande (2001) und De trein loopt prachtig binnen (2003). Texte in Übertragung finden sich immer wieder in den horen. Auch in Paricutin (hrsg. von Jürgen Nendza, Alano Verlag Aachen 1993), Schönes Babylon (hrsg. von Gregor Laschen, Dumont Verlag Köln 1999) und a’lpha prisma (hrsg. von Birgit Bodden, Shaker Verlag Aachen 2001) wurden Gedichte von Frans Budé aufgenommen. Die Übersetzung von Exit besorgte Wolfgang Hilbig.*

*Eine größere Sammlung von Frans Budés Gedichten findet sich in dem zum Buchmessenschwerpunkt Niederlande 1993 in der Reihe "Poesie der Nachbarn" erschienen Anthologie "Eine Jacke aus Sand". Auch die Übersetzung Wolfgang Hilbigs stammt aus diesem Band. Bei dem von Winkler angeführten Buch "Schönes Babylon" handelt es sich um eine Zusammenstellung ausgewählter Gedichte aus den ersten "Poesie der Nachbarn"-Bänden.

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